Experteninterviews
Regen und Kälte – was Pflanzenfreunde jetzt wissen müssen und tun können

Seit Wochen herrscht unbeständiges Wetter: fast täglich Regen, wenig Sonne und kühle Temperaturen. Ausflügler runzeln die Stirne, und Pflanzenliebhaber machen sich Sorgen um ihre Stauden, Blumen und anderen Gewächse im Garten und auf dem Balkon. Lesen Sie in unserem Interview mit Gärtnerin Manuela Walthert von der Gärtnerei Schwitter AG, Inwil, ob die Sorgen berechtigt sind und was Sie tun können.

Frau Walthert, ist das nasskalte Wetter für Pflanzen ein Problem?

Der Regen bereitet mehrjährigen Gartenpflanzen kaum Schwierigkeiten, solange sie nicht im Wasser stehen – eine gute Drainage ist in dieser Wetterlage absolut zentral. Das trübe und feuchte Wetter verlangsamt das Wachstum und die Knospenbildung beim Sommerflor: Damit seine Knospen treiben, braucht er Sonnenlicht und Wärme. Blüten, die bereits offen sind, leiden natürlich unter dem Regen. Und wenn es nach dieser kühlen, nassen Periode schnell heiss wird, erleiden Pflanzen rascher Verbrennungen, da sie sich nicht an die Wärme gewöhnen konnten. Die Verbrennungen stellen aber meist nur ein kurzfristiges optisches Problem dar und wachsen wieder heraus.

Begünstigt das nasse Wetter Krankheiten und Schädlinge?

Ja, bei diesem feuchten Wetter besteht die Gefahr von Pilzkrankheiten, die zum Beispiel die Rosen befallen können. Und natürlich mögen Schnecken das feuchte Wetter sehr…

Was kann man tun?

Sind Pflanzen gestärkt, sind sie widerstandsfähiger und somit weniger anfällig. Man kann die Pflanzen zum Beispiel mit Multikraft oder Arbostrat stärken. Pilzkrankheiten sollten vorbeugend behandelt werden. Um Schnecken in Schach zu halten, helfen Schneckenzäune, regelmässige Pflanzenkontrollen und wenn nötig Schneckenkörner. Wie schon erwähnt, ist im Garten eine Drainage sehr wichtig. Bei Pflanzgefässen sollte man die Unterteller wegnehmen, um Staunässe zu verhindern.

Können Sie als Gärtnerin dem Regen auch etwas Gutes abgewinnen?

Durchaus. Wir hatten in den letzten Wochen viel Wind, was die Böden ausgetrocknet hat. Nun können sie sich mit Wasser vollsaugen. Von diesem Wasserspeicher in tieferen Schichten können Pflanzen zehren, wenn es wieder heiss und trocken ist. Kühlere Temperaturen tragen auch dazu bei, dass Blüten länger halten, und bei Regenwetter haben Pflanzen kräftigere Farben.

Es ist Mitte Mai, der Sommer steht bevor. Was sollten Pflanzenfreunde jetzt erledigen?

Mehrjährige Gehölze und Stauden sollte man jetzt spätestens setzen. An geschützten Lagen kann man auch Sommerflor draussen pflanzen, während man heiklere mediterrane Pflanzen noch etwas geschützt an der Hauswand halten sollte. Gefüllte Blüten müssen regelmässig ausgeschnitten werden, um Fäulnis zu verhindern. Tomaten und Gurken dürfen nicht zu nass haben.